Von „Ach, und du bist ja jetzt auch aktiv in der Politik, hab ich gesehen!“ über „Finde ich gut!“ bis „Toll, da gehören Sie auch hin!“ reichen die Reaktionen meiner Freunde und Bekannten, wenn wir aktuell ins Gespräch kommen.

Einige haben es demnach schon lange geahnt, und manche raten mir, den zeitlichen Aufwand und die Erforderlichkeit von „Nehmerqualitäten“ bei einem solchen Engagement nicht zu unterschätzen. Politik sei auch auf kommunaler Ebene nicht immer eitel Sonnenschein. Ja, da ist sicherlich etwas Wahres dran… Wirklich negative Bemerkungen sind mir noch nicht zu Ohren gekommen; lediglich so etwas wie „Gute Sache, aber falsche Partei!“

Da sind wir beim Thema: Obwohl auf der Liste der SPD, bin ich gar nicht Mitglied der Partei. Deshalb möchte ich hier gerne die Frage beantworten, wie denn das möglich ist und warum ich „parteilos“ kandidiere.

Gute Sache – richtige Partei!

Ganz ehrlich: wenn es erforderlich gewesen wäre, hätte ich meinen Mitgliedsantrag abgegeben. Ich denke, in mir ist eine Art „sozialdemokratische Matrix“ angelegt. Ich fühle und sehe mich auf der Seite der Schwächeren, der Ärmeren, der Hilfloseren (gibt es da überhaupt eine Steigerung?) und versuche hier zu unterstützen. Mir ist jede Form von Unterdrückung und Bereicherung/Profilierung auf Kosten anderer zuwider. Non-profit-Projekte und Initiativen, die solidarisch Hilfe leisten, haben meine Sympathie. Aufgewachsen in einer Arbeiterfamilie (mein Vater war gewerkschaftlich organisiert, SPD-Wähler und später auch Mitglied) und geprägt vom nahezu filmreifen und leider schicksalhaften Aufstieg und Niedergang der „Ilse-Möbelfabrik“ in meiner südniedersächsischen Heimatstadt Uslar (Folge: nahezu 20% Arbeitslosenquote), habe ich die Existenz einer Partei, die den Arbeitnehmer*innen Stimme und Gewicht verleiht, immer für unerlässlich gehalten.

Leider ist ab den 90er Jahren einigen ranghohen Genossen in Bund und Ländern genau dieses Grundethos etwas aus dem Blick geraten. Klar, die Weltlage ist durch Globalisierung und Massenkonsum komplizierter als früher zuvor, die Erwartungshaltung hierzulande an den Staat und das Leben sind ebenso gestiegen wie das Risiko, durch unerwartete Ereignisse ALLES zu verlieren. Um aber dennoch meinen Teil dazu beizutragen,  – ganz klassisch! – der Arbeitgeberseite ins soziale Gewissen zu reden und überhaupt dem Kapitalismus mit all seinen ausbeuterischen Folgen für Menschen, Tiere und Umwelt Grenzen zu setzen, habe ich zumindest als Wählerin bisher treu zur SPD gestanden und möchte das auch weiterhin tun. Ich denke, dass deren programmatische Ausrichtung ein guter Weg ist, das soziale Geschehen in der Waage zu halten, sofern er konsequent gegangen wird.

Die Dinge von innen verändern.

Meine Hoffnung ist, dass die Parteiführung auf  Bundesebene und die in die Parlamente gewählten Genossinnen und Genossen sich den sozialdemokratischen Grundwerten und ihrer Wählerinnenschaft bewusst werden und bleiben. Vor allem aber hoffe ich, dass sich der Trend nicht zur Wahl zu gehen oder aus reinem Protest auf eine riskante Karte zu setzen, nicht fortsetzt. Bitte liebe Mitbürger*innen, bleibt euren guten Werten treu und beteiligt euch bestenfalls daran, die Dinge von innen her zu verändern. Urteilt und wählt nicht aus Wut und Frust. Schaut auch den neuen Parteien tief auf den Grund, lasst die Wölfe nicht in den Schafstall!

Warum bin ich nun kein SPD-Mitglied? Ganz banal, ich habe bisher den richtigen Moment für den Eintritt verpasst. Und nun habe ich in ganz bewusst nicht vollzogen, denn er war nicht notwendig, um FÜR DIE KOMMUNALWAHL auf der Liste der SPD zu kandidieren. Für die Anliegen der ORTSPOLITIK ist die zeitliche Nähe zur Bundestagswahl leider unglücklich. Mit meiner „Parteilosigkeit“ fühle ich mich als Anfängerin ehrlich gesagt befreit, denn ich möchte die Bundes- und Parteipolitik jetzt nicht verteidigen müssen. Ich möchte in der Gemeinde und in der Samtgemeinde Jesteburg politisch mitgestalten. Nach Gesprächen mit den politisch aktiven Mitgliedern des SPD-Ortsvereins kann ich mir eine Mitwirkung in dem mir sympathischen und kompetenten Team sehr gut vorstellen. Ich sehe meine Themen (s.u.) wertgeschätzt und in gutem Einklang mit dem erstellten Wahlprogramm. Bereits die Wahlkampagne und die bisherigen Einblicke in die laufenden Prozesse machen Freude und ermutigen mich zum politischen Tun.

Mich als Einzelkandidatin zu bewerben wäre mir ebenso wenig in den Sinn gekommen, wie mich einer der ortsansässigen unabhängigen Gemeinschaften anzuschließen. Denn einzeln hätte ich wohl keine Chance zur Mitwirkung, und die Dauer-Protesthaltung der Unabhängigen ist nicht meine Einstellung – wie gesagt: ich gehe inhaltlich mit der SPD.

Wenn es gelingt, die Samtgemeinde mit ihren Dörfern für (Urlaubs)gäste attraktiver zu machen, werden auch die Einwohnerinnen und Einwohner davon profitieren – und umgekehrt genauso.

Meine Themen:

Mein Wahlslogan lautet: Tourismus, Kultur, Gewerbe – stärken, vermitteln, unterstützen. Die Motivation mich für Jesteburg und seine Ortsteile einzubringen, erstreckt sich über viele Bereiche. Der „Tourismus“ scheint mir dabei ein wichtiger Schüssel zu sein.

Unsere kulturell sehr gut aufgestellte Samtgemeinde hat über ihre  hohe Wohn- und Lebensqualität hinaus ein großes tourismuswirtschaftliches Potential, welches historisch belegt ist und wegweisend war, nun jedoch seit Jahrzehnten im Dörnröschenschlaf liegt.

Dem Charme der Region waren Ausflügler schon vor 150 Jahren erlegen. Alte Postkarten zeigen Gasthäuser, Dorfansichten und die hügelige Landschaft mit weiten Ausblicken ins Seevetal und über den Kleckerwald. Sommer- und Kurgäste kamen mit der Bahn stärkten die Wirtschaftskraft und begründeten das gewisse Heimatglücksgefühl, dass noch heute alt und jung, Alteingesessene und Neubürger sowie Gastgeber und Gäste vereint. „Zwischen Heide & Hamburg“ ist ein schönes Motto, das die Tourismusfachleute für die Samtgemeinde kreiert haben. Das gilt es nun wieder mit Leben zu füllen!

Wir sollten bestehende Alleinstellungsmerkmale und Traditionen (wieder)entdecken, konzeptionell ausbauen und darüber hinaus behutsam neue Attraktionen schaffen, z.B. einen Aussichtsturm oder eine Kneipp-Anlage. Wir brauchen heimatkundliche, historische, themenbezogene Rundwege und Gästeführungen, Ruheorte und Bereiche mit Aufenthaltsqualität, Museen und Ausstellungen, Kunst im öffentlichen Raum, Konzerte u.a. sowie verkaufsoffene Veranstaltungen, ein größeres Beherbergungsangebot (Hotel!) und als Folge eines guten Netzwerks von Tourismus, Kultur, Vereinen und Gewerbe unbedingt ein professionelles Marketing des Ganzen. Wenn es gelingt, die Samtgemeinde mit ihren Dörfern für (Urlaubs)gäste attraktiver zu machen, werden auch die Einwohnerinnen und Einwohner davon profitieren – und umgekehrt genauso. Ideen gibt es viele – wichtig ist, dass wir beginnen!

Bitte geben Sie mir mit ihrer Stimme die Chance, mich in diesem Sinne politisch zu engagieren.

Zu meiner Person:

Aufgewachsen am Südrand des Sollings ist mir in 30 Jahren auch die Nordheide zur Heimat geworden. Ich lebe in Jesteburg, bin beruflich selbständig, glücklich verheiratet, dankbar für zwei erwachsene Kinder und einen großen Freundeskreis. Die Bereitschaft mich im Ort zu engagieren, ist mir vermutlich in die Wiege gelegt – u.a. bin ich seit vielen Jahren in der Kirchengemeinde aktiv (2007-2018 dort im Vorstand).